Landesjagdverband Bayern

Kreisgruppe
Bad Kötzting

Waldbegang bei Familie Koller in Rathgeb bei Lam

Rund 50 Teilnehmer ließen sich von Wolfgang Koller sen. über den seit Generationen gepflegten Plenterwald informieren und diskutierten rege mit ihm sowie Bernhard Ostermayr vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und Franz Holzapfel vom Bayerischen Bauernverband.

Von der Forststraße bei Vorderöd stieg die Gruppe, die sich auf Einladung der Kreisgruppe Bad Kötzting im Landesjagdverband zusammengefunden hatte, über den Kamm in den Koppenhofwald ein.

BJV-Vorsitzender Roland Heigl wertete den guten Besuch als Zeichen dafür, dass alle Beteiligten Interesse haben, am Entstehen eines zukunftsfähigen Waldes mitzuwirken. Dank Plenterwirtschaft, bei der die Entnahme einzelner Bäume und die Pflege des „forstlichen Dreiklangs“ aus Tanne, Fichte und Buche seit Generationen im Vordergrund stehen, hat die Familie Koller einen solchen Wald zu bieten. Forstwirtschaftsmeister Wolfgang Koller sen. erklärte, er habe praktisch noch nie Bäume pflanzen müssen, weil er voll auf Naturverjüngung der drei Hauptbaumarten setzen könne.

„Nachhaltigkeit bedeutet, den Wald dauerhaft zu nutzen“, erklärte Wolfgang Koller, der seine 130 Hektar Waldgrund als eine Lebensaufgabe sieht, die vor ihm schon mindestes zwei Generationen fachkundig bewirtschaftet haben, was sein Sohn Wolfgang jun. und der zweieinhalbjährige Enkel Lukas einmal fortführen sollten. 30 Hektar Landwirtschaft werden als Biobetrieb geführt und mit dem Bau eines Holzhauses für zwei Familien sowie von zwei Chalets aus Tanne und Fichte unterstreicht die Familie, wie wichtig der Wertstoff Holz für die Kollers ist.

Wolfgang Koller machte auch deutlich, dass es bei der Waldwirtschaft für ihn nicht um immer größere Erträge und staatliche Subventionen geht. Vielmehr sollte gezielt Qualitätsholz geerntet und dafür ein angemessener Preis bezahlt werden. Er widersprach dabei einigen Teilnehmern, die beklagten, dass extrem starke Stämme nicht mehr von den Sägewerken gekauft würden. Es gebe sehr wohl Säger, die starke Erdstämme in guter Qualität sehr gut bezahlen, solche Abnehmer sollte man eben schon vor der Fällung kontaktieren. 

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Licht und Laubstreu am Boden sind die wichtigsten Voraussetzungen für ein Gedeihen des Waldes. Foto: Alois Dachs
Der gewaltige Wurzelstock einer frisch gefällten Fichte (vorne) macht deutlich, welche Baumriesen ein nachhaltig bewirtschafteter Wald hervorbringen kann. Foto: Alois Dachs

Die Mischung zählt

Bernhard Ostermayr vom AELF bestätigte die aus jahrzehntelanger Erfahrung von Wolfgang Koller gewonnenen Erkenntnisse, die es auch bei der Begründung eines zukunftsfähigen Waldes zu berücksichtigen gelte, wenn die zunehmende Erwärmung in Verbindung mit Trockenphasen vor allem der flachwurzelnden Fichte das Überleben erschwert. Wolfgang Koller setzt auch auf die Erfahrungen früherer Generationen („die hatten noch keine künstliche Intelligenz“), die Stämme für Bauholz grundsätzlich im Winter fällten und zwar in der letzten Woche vor dem abnehmenden Mond. Wenn dieses Holz kernfrei geschnitten werde, werde es niemals Risse aufweisen, weiß Koller aus 30-jähriger Erfahrung. Natürlich müsse auch die Jagd dem Wald dienen, aber nicht jede verbissene Jungtanne sei unbedingt ein großer Wildschaden, wenn eine entsprechende flächige Verjüngung vorhanden sei. Der traditionell niedrige Rehwildbestand in den über 20 Eigenjagdrevieren des Lamer Winkels begünstige zweifellos die Entwicklung des Waldes, der aber auch Rehen und Wildschweinen eine Heimat bleiben sollte.

Ganz wichtig für die Bewirtschaftung ist nach Aussage des Forstwirtschaftsmeisters und der AELF-Mitarbeiter die „Feinerschließung“ des Waldes. Nicht die großen Forststraßen, sondern mit Rückewagen befahrbare Wege und Rückegassen im Bestand stellten sicher, dass ohne große Schäden die gefällten Bäume zum Lagerplatz gebracht werden können. Wenn dann noch ausreichend Niederschläge und großzügiger Lichteinfall das Wachstum der Bäume begünstigen, sei ein solcher Plenterwald realisierbar.

Text: Alos Dachs