Landesjagdverband Bayern

Kreisgruppe
Bad Kötzting

Luchs und Wolf töten in Gehege fünf Tiere

LAM-LOHBERG (red). Bereits Ende Februar kam es im Lamer Winkel erstmals zu einem bestätigten Übergriff eines Wolfes auf ein Damwild-Gehege. Insgesamt wurden fünf Tiere getötet. Der Vorfall wurde inzwischen umfassend untersucht und lieferte neue Erkenntnisse zur Anwesenheit von Wolf und Luchs in der Region.

Der Gehegebesitzer meldete sich gegen Abend des 24. Februar beim Luchs und Wolfskoordinator der BJVKreisgruppe Bad Kötzting, Heinrich Moser, nachdem er mehrere tote Damtiere in seinem Gehege festgestellt hatte. Kurzfristig installierte Wildkameras lieferten bereits am selben Abend erste Fotos: Gegen 19 Uhr wurden Aufnahmen der bekannten Luchskatze „Eva“ mit ihrem Jungtier übermittelt, die sich im Gehege aufhielten und an einem Kadaver fraßen. Auch in der darauffolgenden Nacht kamen beide zum Fressen ins Gehege. Der anfängliche Verdacht eines reinen Luchsübergriffs schien zunächst naheliegend, weiterführende Untersuchungen ergaben jedoch einen anderen Sachverhalt. 

Da für Nutztiere die Zuständigkeit beim Landesamt für Umwelt (LfU) liegt, wurde dieses umgehend informiert. Am darauffolgenden Tag untersuchten Fachkräfte des LfU gemeinsam mit den Beteiligten die Kadaver und entnahmen DNAProben. Die Auswertung durch das Institut Senckenberg brachte eine überraschende Erkenntnis: Zwei Proben konnten eindeutig einer weiblichen Luchskatze zugeordnet werden, eine Probe eindeutig einem Wolf.

In der Folge überprüfte Heinrich Moser weitere Kamerastandorte, die aufgrund der Schneelage vorher nicht erreichbar waren. Tatsächlich wurden dort drei Aufnahmen eines Wolfes entdeckt, die am 24. Februar 2026 unweit des Geheges entstanden waren. Nach aktueller Einschätzung drang der Wolf als erstes Tier durch Untergrabung in das Gehege ein und tötete mehrere Damtiere. Der Geruch der toten Tiere dürfte anschließend die Luchskatze mit ihrem Jungtier angelockt haben. Bei zwei der getöteten Tiere wurden Kehlbisse festgestellt, wie sie für den Luchs typisch sind.

Der Vorfall und seine sorgfältige Aufarbeitung zeigen die Bedeutung einer konstruktiven Zusammenarbeit zwischen Jägerschaft und Fachbehörden. Derzeit beginnt ein neuer Abschnitt der Kooperation zwischen dem Landesamt für Umwelt, der Hochschule Weihenstephan und der Jägerschaft im Rahmen eines gemeinsamen Monitorings. Ziel ist es, künftig belastbare und transparente Daten zur Anwesenheit und zum Verhalten von Wolf und Luchs in der Region zu erheben.

Angesichts der zu erwartenden weiteren Herausforderungen durch die Rückkehr des Wolfes betont Heinrich Moser die Notwendigkeit eines offenen und sachlichen Miteinanders aller Beteiligten. Eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit bleibe entscheidend, um fundierte Grundlagen für den Umgang mit großen Beutegreifern zu schaffen. Gemeinsam mit dem LfU und der Hochschule Weihenstephan steht die Jägerschaft nun am Beginn eines neuen Monitorings mit rund 100 Wildkameras, das auf eine transparente und wissenschaftlich fundierte Datenerhebung abzielt. „Das ist ein Ansatz, der in dieser Form im bisherigen Luchsmanagement nicht möglich war“, sagt Heinrich Moser.
Das Monitoring werde seit Jahren immer wieder durch Störungen und Anfeindungen erschwert. Diebstahl von Wildkameras und bewusste Suche von Personen nach aufgestellten Wildkameras an entlegenen Stellen in Jagdrevieren, Ablegen von geschützten toten Tieren, verbunden mit dem Vorwurf der illegalen Tötung, sorgten immer wieder für Ärger. Trotz dieser Hindernisse zeigt sich Heinrich Moser zuversichtlich, künftig endlich verlässliche und ehrliche Zahlen zur Anwesenheit großer Beutegreifer in der Region zu gewinnen.

Die Luchsin „Eva“ wurde von einer Wildkamera am Kadaver eines Stückes Damwild im Gehege fotografiert. Foto: Luchsmonitoring-Wildkamera