Gesunder Wald braucht regelmäßig Pflege
LAM. Auf lebhaftes Interesse ist ein Waldbegang gestoßen, zu dem die BJV-Kreisgruppe Bad Kötzting am Sonntag auf den „Veitbauern“-Hof von Andreas Roßbauer in Hinteröd eingeladen hatte. Über 40 Teilnehmer – einige waren bis aus Braunau, Freyung und Sünching angereist – ließen sich über die Plenterwirtschaft der seit Mitte des 16. Jahrhunderts hier ansässigen Waldbauernfamilie informieren.
Andreas Roßbauer und Förster Martin Hupf führten die in zwei Gruppen aufgeteilten Waldbesucher beim schweißtreibenden Aufstieg in das Richtung Ecker Steig gelegene Bergrevier, das auf einer Fläche von 130 Hektar Wald von den Baumarten Fichte, Tanne und Buche geprägt wird. Die Fichte ist Hauptbaumart in dem durch privat gebaute Forststraßen und Rückewege gut erschlossenen Revier. Zum „Veitbauernhof“ gehören außerdem das große Gasthaus in Hinteröd, Stromerzeugung mit eigener Wasserkraft und Ferienwohnungen. „Bei uns heißt es nicht ‚Wald vor Wild‘, sondern ‚Wald mit Wild‘, sagt der Eigenjagdbesitzer und leidenschaftliche Jäger (im Lamer Winkel sind 23 von 30 Revieren als Eigenjagden geführt). In den Eigenjagden werde das Rehwild konsequent bejagt, sodass auch in der Naturverjüngung kein Verbiss auftrete.
Zur Bodenverbesserug seien schon vor Jahren Kalkungen mit einer Verblasetechnik durchgeführt worden, die sich als zweckmäßiger als die Kalkung mit dem Hubschrauber erwiesen habe, erklärte Roßbauer. Entscheidend sei für den in Plenterwirtschaft genutzten Wald neben der Nutzung großer Einzelstämme die regelmäßige Pflege in den Jungbeständen, damit sich der Wald durch Lichteinfall und Naturverjüngung entwickeln kann, sagt Andreas Roßbauer. Dem jungen Veitbauern fehlt jedes Verständnis für Waldbesitzer, die sich nicht um ihre Holzbestände kümmern und auch bei hohen Preisen nichts einschlagen, oder keine Fachleute mit einem Holzeinschlag beauftragen. „Es gibt keinen schlechten Wald, es gibt nur unfähige Waldbesitzer“, ist seine Überzeugung, denn auch in den Hochlagen trete gelegentlich Borkenkäferbefall auf.
Zu einer funktionierenden Waldbewirtschaftung gehöre zwingend eine gute Zusammenarbeit zwischen Waldbesitzern und Jägern, so Roßbauer, der auch Mitpächter in einem Revier bei Warzenried ist. Dabei könnten auch gemeinsame Waldbegänge helfen, um eventuell auftretende Probleme zu besprechen. Die Walderschließung sieht auch Revierförster Martin Hupf als eine Grundvoraussetzung für erfolgreiche Waldwirtschaft. Forstwege und Rückegassen werten den Wald auf, weshalb auch der Freistaat Bayern dafür Zuschüsse leiste. Ebenso gibt es Programme für die Jungwaldpflege, auch für Pflanzung von unterschiedlichen Baumarten.
Trotz hoher Luchsbestände im Lamer Winkel und obwohl einzelne Wölfe auch hier Beute machen, gebe es hier einen gesunden Wildbestand, selbst Auerwild sei in den Hochlagen zwischen 700 und 900 Metern zu finden, informierte Roßbauer. Nach der Rückkehr dankte BJV-Kreisgruppenvorsitzender Roland Heigl dem Waldbesitzer Andreas Roßbauer und Revierleiter Martin Hupf für die umfassenden Informationen zur Waldwirtschaft in Hinteröd.
