Luchs jagt Katze bis in die Wohnung
Verwaister Jungluchs flüchtete schließlich durch die offene Haustür
BAD KÖTZTING-ARRACH (ad). Einen gehörigen Schreck bekam am Freitag in den Mittagsstunden die Arracherin Annemarie Z. (richtiger Name ist der Redaktion bekannt), als sie im Haus ihrer Nachbarn gerade mit Reinigungsarbeiten beschäftigt war. Eine Katze des älteren Ehepaares sprang gegen 13.30 Uhr gegen die geschlossene Haustür. Als Annemarie Z. die Tür öffnete, stürmte hinter dem Kater „Peterle“ ein Luchs in die Wohnung, versuchte dann zunächst durch ein geschlossenes Fenster zu flüchten und verließ schließlich den Hausflur durch die offenstehende Haustür.
Was auf den ersten Blick höchst unglaubwürdig erscheint, ist nach Ansicht von Heinrich Moser, Luchs- und Wolfskoordinator der BJV-Kreisgruppe Bad Kötzting, absolut nachvollziehbar. Nach seinen Recherchen dürfte es sich bei dem gefleckten Eindringling um einen verwaisten Jungluchs handeln, der in den vergangenen zwei Tagen mehrfach im Gemeindebereich Arrach beobachtet wurde. Unter anderem habe ein Hund den Luchs in Ortsnähe gejagt, worauf sich dieser auf einer Birke in Sicherheit brachte. Der Zeuge fotografierte die junge Großkatze mit dem Smartphone und gab das Foto auch an Heinrich Moser weiter. Dieser hat inzwischen bei der Fachstelle für Große Beutegreifer des Landesamts für Umweltschutz eine Genehmigung zum Fang des Jungtieres beantragt und abgeklärt, dass das Tier vorübergehend im Luchsgehege des Tierparks Lohberg untergebracht werden könnte. Entsprechende Informationen hat Moser auch an Bürgermeister Gerhard Mühlbauer und an den zuständigen Jagdpächter weitergegeben.
Annemarie Z., die das ältere Nachbar-Ehepaar regelmäßig bei der Hausarbeit unterstützt, sitzt der Schreck noch immer in den Gliedern. Sie habe gerade auf den Knien den Hausgang geputzt, als es plötzlich an der Haustür „gerumpelt“ habe, schildert sie. Sie öffnete dem Kater „Peterle“ die Tür, aber mit ihm sei der Luchs in den Flur gesaust.
Während sich der rote Kater des Ehepaares, das zu dieser Zeit in der Küche beim Mittagessen war, sofort unter der Eckbank in Sicherheit brachte, habe sie versucht, mit dem Putzlappen den Luchs zu verscheuchen, berichtete die Arracherin im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Luchs habe versucht, durch ein geschlossenes Blumenfenster am Ende des Hausgangs ins Freie zu flüchten, sei dreimal gegen die Scheibe gesprungen, dann an ihr vorbeigelaufen und durch die noch offene Haustür geflüchtet.
„Das Ganze hat vielleicht 30 Sekunden gedauert“, berichtet Annemarie Z., dann habe sie sich gleich auf die Suche nach „Peterle“ gemacht, der inzwischen unter die Wohnzimmercouch geflüchtet war. Obwohl er durch seinen Verfolger völlig verschreckt gewesen sei, wollte der regelmäßige Freigänger und erfolgreiche Mäusejäger am Samstag schon wieder hinaus, erzählt Annemarie Z.. Solange von dem Jungluchs Gefahr drohe, habe der Kater allerdings Stubenarrest. Auch für sie sei die Begegnung mit der Großkatze zunächst unglaublich gewesen, sagt Z. „Aber mir war klar, Pinselohren, Stummelschwanz und ein geflecktes Fell, das war ein Luchs!“
